
Solarkraft in den Alpen
Ein Thema – viele Blickwinkel
Die aktuellen Energiedebatten verlaufen oft mit heftigen Auseinandersetzungen zwischen verhärteten Fronten. Verschiedene Akteure sprechen aneinander vorbei – nicht zuletzt, weil viele gleichzeitig sprechen und dabei manchmal etwas anderes sagen, als sie eigentlich meinen. Routinemässig beziehen sie sich auf die «Landschaft», ein Begriff, der für vieles steht – oft auch für sehr Unterschiedliches.
Im Folgenden werden Argument Pro und Contra alpine PV-Freiflächenanlagen anhand unterschiedlicher Blickwinkel, die wir auf die Landschaft richten, nachgezeichnet: Von der «schönen» über die vermeintlich «unberührte» oder die «wirtschaftlich genutzte» Landschaft bis zur Landschaft als «Heimat». Weil Landschaft für so vieles steht, führen Eingriffe in die Landschaft praktisch unweigerlich zu Konflikten und zu potenziellem Widerstand. In der Planung alpiner PV-Freiflächenanlagen gilt es deshalb, das Spektrum der Interessen und Argumente zu antizipieren und in die Diskussion aufzunehmen.

Ästhetische Dimension
Die «schöne» Landschaft
Wollen wir unsere Alpen wirklich für die Solarenergie opfern?
PV-Freiflächenanlagen über der Nebelgrenze, die auch im Winter Strom produzieren, sind notwendig für die
Stromversorgungssicherheit.
PV-Freiflächenanlagen beeinträchtigen die Schönheit der Landschaft.
Natürlich bedeuten PV-Freiflächenanlagen einen Eingriff in die Landschaft. Aber die Landschaftsqualität wird bei der Planung berücksichtigt. Anlagen werden nach Möglichkeit in Gebiete mit hoher Nutzungsintensität und
bestehender Infrastruktur geplant.
Die ersten Anlagen sind Pionieranlagen. Sie werden aufgrund der Erfahrungen weiterentwickelt, auch was ihre Ästhetik betrifft.
Wenn PV-Anlagen mit vorhandener Infrastruktur von Ski-Gebieten kombiniert werden, erscheint der Eingriff in die Landschaft weniger markant.
Durch den Einbezug der Bevölkerung und die sorgfältige Einbettung in das Landschaftsbild können PV-Anlagen entstehen, die als harmonisch und schön wahrgenommen werden.
Es gibt auch Lösungen, ohne dass wir die Landschaft zerstören. Zuerst soll das Potenzial auf Gebäuden und bestehenden Infrastrukturen ausgeschöpft werden.
Solarstrom im Mittelland genügt wegen dem häufigen Hochnebel nicht, um die Winterlücke zu schliessen. Grosse Solarkraftwerke über der Nebelgrenze ermöglichen es, schnell viel zusätzliche Kapazität zuzubauen.
Die PV-Anlagen sind, entsprechend der künftigen Entwicklung von Alternativen, eine beschränkte Massnahme. Sie lassen sich komplett zurückbauen, wenn sie nicht mehr benötigt werden.
Zudem ist der Rückbau der Anlagen planbar und im Unterschied zu Atomkraftwerken oder Staumauern einfach zu bewältigen.
Wir bewerten Landschaften oft nach ihrer Attraktivität und Schönheit. Nun lässt sich bekanntlich nicht über Geschmack streiten. Geschmack ist eine subjektive Angelegenheit. Doch in Bezug auf die Schönheit der Landschaft herrscht ein erstaunlicher geschmacklicher Konsens. Es sind die immer gleichen typischen «Kalenderlandschaftsbilder», die uns verzücken und die Tourismuswerbung dominieren. Unsere Bewertung von Landschaften basiert auf kulturell überlieferten Idealen und Gewohnheiten. Entsprechend homogen sind die Vorstellungen schöner, ästhetischer Landschaften. Und entsprechend emotional fällt die Reaktion aus, wenn solch «schöne Landschaften» verändert werden.

Ästhetische Dimension
Landschaft «schön» gemacht
PV-Freiflächenanlagen zerstören die unberührte, intakte Landschaft.
Vom Menschen unberührte Landschaften gibt es kaum noch. Fast jede Landschaft ist durch menschliche Einflüsse verändert, sei es durch Landwirtschaft, Siedlungen oder Infrastruktur.
Vertrautheit schafft den Boden für Zuneigung. Durch die sorgfältige Gestaltung und Einbindung in die Landschaft entwickeln sich PV-Anlagen zu einem gewohnten Anblick – und damit zu einem vertrauten und alltäglichen Teil unserer Energielandschaft.
Bergtouristen wollen intakte Natur und idyllische Landschaften erleben, so wie sie es gewohnt sind. Ist die schöne Landschaft weg, kommen die Touristen nicht mehr.
Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung steht hinter dem Klimaschutz. PV-Anlagen machen das Engagement und den Wandel sichtbar und geben dem Tourismusort ein zukunftsfähiges Image.
Frühere Eingriffe, wie der Bau von Eisenbahnlinien oder von Wasserkraftwerken, werden heute als Teil des kulturellen Erbes und sogar als Erlebnis angesehen – zum Beispiel die Bernina Bahnlinie und der Lago Bianco.
Viele Landschaften, die wir heute als besonders schön empfinden, wurden erst durch die Augen der Touristen entdeckt. Die Schönheit der Landschaft entsteht nicht von selbst – sie wird geprägt und gestaltet.
Heute gilt das umso mehr – denn durch Handys und soziale Medien können Touristen selbst unscheinbare Orte rasant zu Hotspots verwandeln.
Viele Gebiete im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) – wie hier das Beispiel am Bernina – sind durch eine enge Verflechtung von Technik und Landschaft geprägt. Solaranlagen als neue Energieform setzen die Tradition fort.
Unsere ästhetischen Landschaftswerte sind nicht fix, sondern veränderbar. Es ist zu erwarten, dass sich mit der Zeit ein Gewöhnungseffekt oder sogar eine positive Bewertung von Energielandschaften einstellt. Was heute noch als störend empfunden wird, könnte in Zukunft als normal akzeptiert werden. Ein Beispiel dafür sind die Windparks an der deutschen Nordsee, die heute als charakteristische Landschaftselemente gelten.
Die Überzeugungskraft ästhetischer Gegenargumente hängt von der «Passform» der Anlagen in die konkrete Landschaft ab. Studien zeigen, dass Anlagen besser akzeptiert werden, wenn sie in bereits bebaute Landschaften eingefügt werden. In naturnahen Regionen hingegen ist mit mehr Widerstand zu rechnen.

Körperlich-sinnliche Dimension
Landschaft berührt – mit allen Sinnen
PV-Freiflächenanlagen wirken sich negativ auf die Stimmung und Wahrnehmung der Umgebung aus.
Ob PV-Anlagen als störend oder bereichernd empfunden werden, hängt stark von den Geschichten ab, in die sie eingebettet sind. Wenn sie als sichtbares Zeichen für Klimaschutz und Fortschritt gelten, können sie emotionale Zustimmung und sogar Stolz hervorrufen.
Auch technische Bauwerke können als Teil einer modernen, klimabewussten Kulturlandschaft wahrgenommen werden.
Kaum zu glauben: Zwischen 1900 und 1925 waren Autos im Kanton Graubünden verboten – sie galten als gefährliche «Ungetüme» voller Tempo, Lärm und Gestank. Heute sind genau diese Fahrzeuge allgegenwärtig und beeinträchtigen unser sinnliches Landschaftserlebnis stärker als kaum etwas anderes…
Die alpine Landschaft verliert ihren ursprünglichen und unberührten Charakter.
Die Landschaft ist viel weniger unberührt, als wir meinen. Ein grosser Teil der alpinen Landschaften ist vom Menschen geschaffen. Alpweiden gäbe es nicht, würde der Mensch nicht ständig eingreifen.
Während der Bauphase einer PV-Freiflächenanlage kommt es zu Störungen durch Lärm und Staub.
Ein frühzeitiger Einbezug der lokalen Bevölkerung hilft, mögliche Konflikte zu erkennen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. So kann zum Beispiel offen kommuniziert werden, dass es während der Bauphase einer PV-Anlage zeitweise zu Lärm und Staub kommt – diese Beeinträchtigungen sind jedoch begrenzt und gut planbar.
Eine professionelle Umweltbaubegleitung sorgt für möglichst geringe Belastungen durch Lärm und Staub.
Wer in die Alpen kommt, will Ruhe.
Ist es denn wirklich immer so ruhig oder blenden wir den vorhandenen Lärm durch Strassen, Flugzeuge oder Helikopter einfach aus?
PV-Anlagen sind im Betrieb praktisch lautlos.
Landschaft wird nicht nur mit den Augen erlebt: Wir sehen, hören, riechen, ertasten oder schmecken sie. Landschaft ist ein körperliches Erlebnis, das alle unsere Sinne anspricht. Diese körperlich-sinnliche Wahrnehmung ist oft eng mit persönlichen Erinnerungen und Emotionen verbunden.
PV-Freiflächenanlagen verändern den atmosphärischen Eindruck einer Landschaft. Es handelt sich jedoch im Vergleich zu vielen anderen Beeinträchtigungen um einen stillen Eingriff. Ganzheitlich betrachtet haben PV-Freiflächenanlagen daher ein deutlich grösseres Potenzial, positiv wahrgenommen zu werden – insbesondere im Vergleich zu Strassenverkehr oder Fluglärm.
Wichtig ist in jedem Fall, mögliche Bedenken der Bevölkerung frühzeitig ernst zu nehmen und wirksame Schutzmassnahmen umzusetzen. Eine offene, aktive und dialogorientierte Kommunikation mit den Anwohnerinnen und Anwohnern stärkt das Vertrauen – und damit auch die Akzeptanz.

Ökologische Dimension
Wenn Klimaschutz auf Naturschutz trifft
Klar, wir unterstützen saubere Energie zum Schutze der Alpen, aber…
PV-Anlagen helfen, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und tragen so indirekt zum Schutz der Biodiversität und zum Erhalt von Ökosystemen bei.
PV-Freiflächenanlagen stören Flora und Fauna. Besonders wenn die Anlagen auf zuvor extensiv genutztem Grünland errichtet werden.
Extensiv bewirtschaftete, offen gehaltene Alpweiden sind besonders wichtig für die Biodiversität. Sie sind jedoch durch Verbuschung und Vergandung bedroht. Die Erträge aus PV-Anlagen können die Alpwirtschaft unterstützen, die ökologische Qualität in den Alpen zu bewahren.
Mehr PV-Anlagen bedeuten weniger Druck auf unsere Flüsse – viele Fliessgewässer leiden unter der starken Nutzung durch Wasserkraftwerke. Der Ausbau von PV-Anlagen entlastet die Lebensräume und fördert die Artenvielfalt der Gewässer.
Im Vergleich zur traditionellen Stromerzeugung verursachen Solaranlagen deutlich weniger Umweltschäden – zum Beispiel in Bezug auf den Ausstoss von Schadstoffen.
Besonders bei langen Distanzen können Netzanschlüsse die Naturlandschaft und Biodiversität zusätzlich beeinträchtigen.
Durch die effiziente Nutzung bereits beeinträchtigter Flächen für die Energiegewinnung wird der Druck auf Naturräume verringert.
Umweltverträglichkeitsprüfungen sind oft unzureichend.
Eine sorgfältige Planung und Ausführung wird durch den kantonalen Baubewilligungsprozess gewährleistet.
Ein vollständiger Rückbau und die Wiederherstellung des Ausgangszustands sind auf alpinen Standorten schwierig zu gewährleisten.
Es ist für PV-Freiflächenanlagen gesetzlich vorgeschrieben, dass sie vollständig rückbaubar sind und die Ausgangslage wieder hergestellt werden kann.
Böden in steilen Hanglagen werden durch den Einsatz schwerer Maschinen verdichtet oder anders geschädigt.
Während der Bauphase werden Bodenschutzmassnahmen ergriffen und es werden besonders leichte Maschinen eingesetzt. Für Bohrungen wurde bereits ein speziell leichtes Bohrfahrzeug entwickelt.
Die beim Bau befahrenen Flächen werden minimiert und so der Einfluss auf den Boden reduziert.
Die Unfallsicherheit von PV-Anlagen bei Extremwetter oder Steinschlag ist nicht garantiert.
Die Sicherheit bleibt im Falle eines Unfalls gewährleistet. Das bestätigen weltweite Erfahrungen mit Solarpanels, die erfolgreich in der Landwirtschaft eingesetzt werden.
Der zentrale Konfliktpunkt zwischen Naturschutz und Energiewende ist das Spannungsverhältnis zwischen dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Schutz von Biodiversität. Klimaschutz bedeutet (auch) Schutz der Alpen. Allerdings ist der Zusammenhang einer konkreten alpinen PV-Freiflächenanlage mit dem Schutz der Alpen abstrakt und liegt in der Zukunft. Die direkten Eingriffe in die Naturlandschaft dagegen werden unmittelbar wahrgenommen.
Schutzorganisationen konzentrieren sich auf die direkten Folgen potenzieller Eingriffe. So verdeutlichen beispielsweise die Gutachten der ENHK (Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission) in BLN- und ISOS-Gebieten, welche «Opfer» im Rahmen von Bauprojekten gebracht werden müssen – ohne diese Verluste in Relation zu ganzheitlicheren Perspektiven oder indirekten Auswirkungen des Klimawandels zu setzen. Die Aufgabe, zwischen kurzfristigen Opfern und langfristigem Nutzen abzuwägen, liegt in der Verantwortung der Politik, die ihre Entscheidungen auf Basis dieser Gutachten trifft. Dabei werden unmittelbare aktuelle Einschränkungen tendenziell stärker gewichtet als langfristige Folgen – daher muss der langfristige Nutzen klar über den aktuellen Einschränkungen stehen, damit er bevorzugt wird.
Alternativlosigkeit und rasche Verfügbarkeit sind die stärksten Argumente für alpine PV-Freiflächenanlagen: Die Dekarbonisierung kann nur gelingen, wenn ausreichend zusätzlicher Winterstrom produziert wird, wofür es unter anderem alpine PV-Anlagen braucht. Die Anlagen können relativ einfach rückgebaut werden, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Werden die Anlagen als befristete Notmassnahmen kommuniziert, ist ihre Akzeptanz zumindest auf «vorbelasteten Standorten» wahrscheinlich.

Ökonomische Dimension
Wirtschaftliche Nutzung der Landschaft
Alpine Solaranlagen verursachen hohe Baukosten wegen der schwierigen geographischen Lage, teuren Erschliessung und logistischen Herausforderungen.
Alpine PV-Freiflächenanlagen sind eine wichtige Investition, um die Stromversorgung der Schweiz langfristig und nachhaltig zu sichern.
Die Wartung ist teuer und aufwendig – die hochgelegenen Gebiete sind schwer und meist nur saisonal zugänglich, was die Betriebskosten stark erhöht.
PV-Anlagen über der Nebelgrenze erzeugen zwei- bis dreimal so viel Winterstrom pro Fläche wie PV-Anlagen im Mittelland. Winterstrom wird in Zukunft der wertvolle Strom sein.
Beim Solarexpress handelt es sich um den Anschub von Pionieranlagen. Das Aufwand-Ertrags-Verhältnis wird sich mit jeder neuen Anlage durch Skalen- und Lerneffekte verbessern. Eine erste Erkenntnis ist, dass die Produktion an Standorten mit geringen Schneehöhen günstiger ist.
Grossprojekte in den Alpen bringen wenig für die lokale Wirtschaft – Profiteure sind oft grosse Energieunternehmen.
Die Bevölkerung kann mit den Betreibern der PV-Anlagen vereinbaren, dass sie Strom günstiger erhält.
Die PV-Anlagen liefern günstige Energie im Winder – das steigert die Wettbewerbsfähigkeit, besonders für energieintensive Betriebe wie Bergbahnen und Skigebieten.
Die PV-Anlagen bringen finanzielle Vorteile für die Gemeinde durch Pachteinnahmen oder Beteiligungsmodelle.
Es lohnt sich jetzt noch nicht, grossflächig PV-Anlagen zu bauen. Die Technologie ist noch nicht ausgereift.
Mit jeder neuen Anlage steigt die Lernkurve, wie am wirtschaftlichsten gebaut werden kann. Bei der Standortwahl und der Art der Aufständerung lassen sich weitere Kosten einsparen.
Heute ist PV neben Wind- und Wasserkraft der günstigste Energieträger. Keine andere Technologie hat über die letzten fünfzehn Jahre eine so grosse Kostenreduktion erfahren.
Der Tourismus ist auf attraktive Landschaften angewiesen. PV-Anlagen auf Freiflächen mindern die Attraktivität der Landschaft.
Die Positionierung eines innovativen und nachhaltigen Tourismus, stärkt die Kundenbindung von umweltbewussten Gästen mit dem Ort.
Die Mehrheit der Gäste befürwortet erneuerbare Energien. Alpine PV-Anlagen zeigen sichtbar: Die Region setzt auf Nachhaltigkeit! Das stärkt die Glaubwürdigkeit und Attraktivität für die Touristen.
PV-Anlagen auf Freiflächen blockieren potenzielle Erweiterungen für Skigebietsflächen und schränken die Freiheit von Freerider ein.
Es werden nur wenige Flächen für die PV-Anlagen benötigt. Für Skigebiete und Freerider bleibt genug Platz.
Die Solaranlagen konkurrieren mit der traditionellen Alpwirtschaft um wertvolle Weideflächen – das gefährdet jahrhundertealte Bewirtschaftungsformen.
Die Einnahmen der PV-Anlage können das Überleben der Alpwirtschaft sichern. Zum Beispiel können dank den Baurechtszinsen Wasserversorgungen und Alphütten erneuert werden.
Wegen grossen Schneehöhen befinden sich die Modulunterkanten auf mindestens 3 Meter über Grund. Dadurch können sich auch Rinder und Kühe sich unter den Modulreihen frei bewegen.
Alpine PV-Freiflächenanlagen in nebelfreien Höhenlagen haben eine enorme Bedeutung für die Stromversorgungssicherheit und damit auch für die Wirtschaft. Sie produzieren Winterstrom in bedeutendem Ausmass und ergänzen damit die PV-Anlagen im Mittelland, bei welchen der Stromertrag vor allem im Sommer anfällt. Eine sichere dekarbonisierte Stromversorgung ist in der verfügbaren Zeit ohne alpine PV-Freiflächenanlagen nicht erreichbar.
Zudem stärken die PV-Anlagen die regionale Wirtschaft. Sie schaffen finanzielle Vorteile für die Gemeinden und verbessern die lokale Energieversorgung. Bedenken, dass die Anlagen den Tourismus oder die Alpwirtschaft schädigen könnten, können anhand konkreter Vorhaben entkräftet werden. Für die Alpwirtschaft bieten sich Vorteile durch Zusatzeinnahmen, Strom oder Infrastrukturen, die für das Überleben wichtig sein können. Für den Tourismus heisst es abwägen, zwischen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und den Chancen eines innovativen und nachhaltigen Images für den Standort.

Politische Dimension
Landschaftsnutzungen aushandeln
PV-Freiflächenanlagen in den Alpen finden keine gesellschaftliche Akzeptanz!
Alpine PV-Freiflächenanalgen sind notwendig, um schnell eine stabile und klimaneutrale Energieversorgung über das ganze Jahr hinweg zu erreichen. Das Ausbaupotenzial auf bestehenden Bauten allein reicht dafür nicht aus.
PV-Freiflächenanlagen sollten erst dann in Betracht gezogen werden, wenn das Potenzial auf Gebäuden und bestehenden Infrastrukturen ausgeschöpft ist.
Grosse Solarkraftwerke in den Alpen ermöglichen es, relativ schnell viel zusätzliche Winterstrom-Kapazität zuzubauen.
Solarstrom im Mittelland wäre eine teure Lösung, um die Winterlücke zu schliessen. Nebelfreie Freiflächenanlagen sind eine wesentlich günstigere Lösung.
PV-Freiflächenanlagen ergänzen das Energiepotenzial auf Infrastrukturen, die vor allem im Sommer ihre Hauptproduktion haben, weil sie im Winter unter dem Hochnebel liegen.
Der Ausbau erneuerbarer Energie führt zu Konflikten zwischen unterschiedlichen Interessen rund um die Nutzung von Landflächen.
Erneuerbare Energien sind der Schlüssel zum langfristigen Erhalt der Alpen – sie sichern die Lebensqualität der Bevölkerung und bewahren die Region als attraktives Ziel für Touristen.
Alpine PV-Freiflächenanlagen schaffen Versorgungssicherheit und eine vom Ausland unabhängige Stromproduktion.
Grossprojekte werden häufig ohne echte Mitsprache der lokalen Bevölkerung geplant – das untergräbt demokratische Beteiligung und fördert Widerstand.
Die Politik hat die Aufgabe, verschiedene Interessen – Energie, Umwelt, Wirtschaft – ausgewogen zu steuern und transparent gegeneinander abzuwägen. Nach Art. 71a Abs. 3 des eidgenössischen Energiegesetz kann eine grosse PV-Anlage nur mit der Zustimmung der Standortgemeinde genehmigt werden.
Eine starke lokale Beteiligung an den PV-Anlagen fördert die Akzeptanz in der Bevölkerung.
Erträge aus alpinen PV-Anlagen stärken die finanzielle Unabhängigkeit der Berggemeinden – und verleihen ihren Stimme mehr politisches Gewicht.
Die politische Ebene spielt sowohl in der Planung als auch in der Kommunikation eine zentrale Rolle. Es geht dabei um die Frage, wie der Aushandlungsprozess über die Nutzung der Landschaft geführt wird – und ob die betroffene Bevölkerung diesen Prozess als fair und gerecht erlebt.
Transparenz und Mitbestimmung sind Grundwerte der Bevölkerung. Wer sich ausgeschlossen oder übergangen fühlt, reagiert mit Ablehnung und Frustration. Populistische Gegenkampagnen nutzen genau das: Sie behaupten gezielt vermeintliche Intransparenz und Fremdbestimmung, um Widerstand zu mobilisieren.
Akzeptanz entsteht nur, wenn Menschen aktiv einbezogen werden. Informationsveranstaltungen vor Ort, direkter Austausch und echte Mitgestaltungsmöglichkeiten sind daher entscheidend.
Die Erfolgschancen eines Projekts steigen deutlich, wenn es von einer breit verankerten Trägerschaft in der Bevölkerung getragen wird – idealerweise von Personen, die Vertrauen geniessen, eine Vorbildfunktion haben oder als Identifikationsfiguren wirken. Denn: Wer etwas sagt, ist oft genauso wichtig wie der Inhalt der Botschaft selbst.

Identifikatorische Dimension
Landschaft als Heimat
Die Anlagen zerstören unsere Alpenlandschaft und damit unsere Heimat.
Innovative Lösungen gehören seit jeher zur Schweizer Tradition – sie prägen unser Selbstverständnis und machen die Schweiz auch für Touristen attraktiv.
PV-Freiflächenanlagen setzen ein Zeichen. Sie leisten einen sichtbaren Beitrag zur Dekarbonisierung, was der jungen und kommenden Generation wichtig ist.
Eine nachhaltige Energieversorgung bietet die Möglichkeit, die Destination als innovativ und umweltfreundlich zu positionieren und die Kundenbindung zu klimabewussten Touristen zu stärken.
Die Schweizer Bahn – das technologische Wunder. Die Eisenbahnentwicklung ist ein Paradebeispiel, wie sich Skepsis in Stolz verwandelt. Anfangs mit grossem Zweifel begegnet, ist sie heute Ausdruck des schweizerischen Pioniergeist und ein stolzer Teil der kulturellen Identität.
Die PV-Freiflächenanlagen wirken sich negativ auf unsere lokale Traditionen wie die Alpwirtschaft oder die Wanderwege aus.
Die Einkünfte aus PV-Freiflächenanlagen ermöglichen es, kulturelles Erbe und Traditionen, zum Beispiel die Alpwirtschaft, zu erhalten sowie sichtbarer und lebendiger zu machen.
Durch die Beteiligung an Solaranlagen werden Bürgerinnen und Bürger zu aktiven Mitgestaltern der Energiewende – sie werden als «Energiebürger» Teil der Lösung.
Für die lokale Bevölkerung ist Unabhängigkeit ein starkes Bedürfnis. Einnahmen aus PV-Anlagen stärken die lokale Wertschöpfung – und damit auch das Selbstbewusstsein und das Wir-Gefühl in der Gemeinde.
Menschen identifizieren sich mit Landschaften und fühlen sich mit ihnen verbunden. Diese Orte haben eine tiefe emotionale und kulturelle Bedeutung. Sie wecken Heimatgefühle und das Gefühl von Zugehörigkeit. Die Verbundenheit beruht auf Gewohnheit und langjähriger Erfahrung. Deshalb kann eine Veränderung der Landschaft als störend oder bedrohend empfunden werden.
Gleichzeitig bietet die emotionale Verbindung auch eine Chance: Wenn alpine PV-Anlagen auf Freiflächen positiv vermittelt werden, können sie zum Symbol für Unabhängigkeit, Innovation und Pioniergeist werden. Sie können den Stolz der Menschen auf ihre Region stärken – vor allem dann, wenn sie dazu beitragen, dass die Gemeinde durch die Einnahmen aus der Stromproduktion finanziell unabhängiger wird. Das stärkt das Selbstwertgefühl der Bevölkerung.

Impressum
Herausgeber
Urner Institut Kulturen der Alpen
Autor:innen
Urs Müller | Boris Previšić | Annina Boogen | Veronika Studer-Kovacs
Bilder
Marco Volken
Auftraggeber:innen
IG Solalpine | Repower AG
Gemeinde Pontresina
Altdorf, im Mai 2025
Kontakt
Institut Kulturen der Alpen
Daetwylerstrasse 25
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